Offener Brief

Betreff: Kunstwettbewerb, Paul-Winter-Realschule

Offener Brief an
Herrn Landrat
Peter von der Grün
Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen
Platz-der-Deutschen-Einheit 1

86633 Neuburg an der Donau

Sehr geehrter Herr Landrat von der Grün,
nun ist sie also da, die Ausschreibung zur Kunst am Bau für die neue Realschule – zumindest als Pressemitteilung vom 25.09.2021, denn Stand 01.10.2021 ist auf den offiziellen Ausschreibungsseiten noch nichts zu finden.

Seit 4 Jahren bemüht sich der BBK bereits um diese Ausschreibung, es gab mehrere Gespräche mit Ihrem Vorgänger Herrn Weigert und eine Präsentation des BBK vor dem Kreistag im Juli 2018, bei dem für dieses Vorhaben eine mehrheitliche Zustimmung gefunden wurde. Der BBK hat sich angeboten, diese Ausschreibung im Rahmen des Leitfaden Kunst am Bau, herausgegeben vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, ordentlich zu organisieren und durchzuführen. Seit Ihrer Amtseinführung vor zwei Jahren ist jedoch nichts passiert. Wir haben um weitere Gespräche und Termine gebeten, E-Mails und Briefe geschrieben und hätten Sie gerne persönlich kennen gelernt. Am 15. Mai haben Sie dann im Donaukurier ein Signal setzen wollen, dass die Kunst nicht vergessen wird und die 50.000 € in Aussicht gestellt. Wir haben erneut schriftlich unsere Unterstützung angeboten, aber der Bau wurde letztendlich ohne Einladung zum Gespräch fertiggestellt und ohne dass für diese Ausschreibung eine Lösung und ein Weg gefunden worden wäre.

Wir denken, dass wir Sie verstanden haben!
Sie haben die Lösung für die freiwillige Verpflichtung eines öffentlichen Bauträgers gefunden; 0,1% der Baukosten (Bund und Länder empfehlen ein bis zwei Prozent) für ein Kunstwerk zu verwenden. Die 50.000 € werden für einen Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnis „schön und funktional“ sein soll. Wir verstehen, dass dies wohl für Sie der einzig gangbare Weg war, überhaupt etwas angesichts der hohen Baukosten und der starken Widerstände im Kreistag durchsetzen zu können. Wir verstehen die Strategie dahinter und wir verstehen die Aufgabenstellung. Das ist nicht die erste derartige Ausschreibung, mit der wir konfrontiert werden und es werden sich ganz sicher ein paar Künstler:innen finden, die dafür Vorschläge machen werden. Wir verstehen, dass es sich dabei nicht einfach um einen Wasserspender handeln soll, der bei Benutzung die Musik des Namensgebers der Schule Paul Winter abspielen wird. Es müsste schon etwas Spannenderes, etwas Sportlicheres sein, etwas, das Jugendliche begeistert. Die sportaffine Schulleiterin wünscht sich gar eine Kletterwand, Boulderwand oder einen Barfußpark. Warum Frau Kalisch sich diese Wünsche mit dem Geldtopf „Kunst am Bau“ erfüllen will und nicht den Etat für Sport verwendet, ist uns nicht klar. Die Sicherheitsauflagen des TÜV würden mit einem Einkauf im Sportgroßhandel sicher eher erfüllt werden als mit einem Kunstwerk. Mit dieser Ausschreibung haben Sie aber augenscheinlich den perfekten Kompromiss gefunden: Sie gehen auf die jahrelangen Forderungen der Künstlerschaft ein, etwas tun zu müssen, und wissen gleichzeitig das funktionale Verständnis des Kreisrates und der Schulleitung hinter sich. Wir glauben auch zu verstehen, warum die Jury zum Wettbewerb nur aus Mitgliedern des Kreisrates, der Verwaltung und der Schule besteht, obwohl bei einer Ausschreibung für Kunstwettbewerbe die Mehrheit bekanntermaßen aus Kunstsachverständigen bestehen soll. Bei „künstlerischen“ Sportgeräten hingegen, und wenn es nur der funktionale Aspekt ist, können sicher alle mitreden und Kunstsachverständige braucht es da in der Jury nicht.

Wir verstehen auch die Sorge von Kulturreferentin Martina Keßler, dass sich trotz der Ausschreibung genügend Bewerber:innen finden werden und sie hofft, dass beim nächsten Projekt alles besser laufen wird. Wir befürchten aber, dass diese Sorge berechtigt ist und die Hoffnung der Künstlerschaft auf Änderungen und Verständnis im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen langsam, aber sicher dahinschwindet.

Denn die Philosophie der freien Künstlerschaft ist es durchaus, Kunst zu schaffen, die man tatsächlich „einfach nur ansehen“ kann und keine Funktion besitzt – nicht mehr und nicht weniger. Wir wissen, dass man durch reines Betrachten gedankliche Prozesse in Gang setzen kann, die wertvoller sind als ein rein geistig-passiver Unterhaltungswert und Wohlfühleffekt, den die „angewandte Kunst“ produziert und der im weitesten Sinne nur einem Zweck dient: Käufer zu finden. Was den Architekten des Neubaus ja auch vortrefflich gelungen ist: eine perfekte Kombination aus Funktionalität und Wohlfühlen. Aber wenn diese Aspekte schon erfüllt sind, warum dann diese Ausschreibung? Warum kauft man dann nicht einfach bereits bestehende Kunst an? Damit könnte man den vollen Betrag der Ausschreibung verwenden, der angesichts der technischen Herausforderungen für die Umsetzung, wie die Jury es sich wünscht, ganz sicher zu gering sein wird. Oder ist es nicht im Sinne der Architekten, auch im Innenraum Gemälde, Objekte oder Plastiken zu integrieren?

Unsere Vorstellung von Pädagogik, die auch von unseren Kunstpädagogen im Verband immer wieder bestätigt wird, ist die Förderung von geistiger Bildung, zu der eine intellektuelle Auseinandersetzung mit Kunst unbedingt gehört. Wir wollen mit unserer Kunst für ein freies und gebildetes Denken sensibilisieren, das ist unser Mehrwert!

Schön, funktional und einen Mehrwert für die Schüler, das scheint eben auch der Erziehungs- und Bildungsauftrag hinter der Ausschreibung zu sein. Wir sind überzeugt davon, dass Sie die Schüler:innen unterschätzen, wenn Sie diesen anscheinend nicht zutrauen, sich auf intellektuelle Art und Weise mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzen zu können. Es gibt durchaus Schulen in der Nähe, die eben diese geistige Bildung – und damit essenziell mehr als nur eine funktionale Ausbildung – anbieten. Alle Eltern, die sich mehr für ihre Kinder wünschen als eine Komfortzone und ein Funktionieren, müssen sich womöglich nach Alternativen bei der Auswahl der Schule umsehen.

Wir müssen nun vielleicht damit leben, den schwarzen Peter zugespielt bekommen zu haben, aber was haben wir letztendlich zu verlieren? Wir schlagen ein Angebot aus, das so für uns nicht in Frage kommen würde und wir brechen Gespräche ab, die zu keiner Zeit stattgefunden haben. Wir verlassen den Gesprächsraum, in dem wir seit Beginn Ihrer Amtszeit immer alleine gesessen, gegen eine Wand geredet und Sie kein einziges Mal zu Gesicht bekommen haben. Wir haben verstanden! Es könnte sich jetzt durchaus herausstellen, dass Sie die 50.000 € für die Kunst sparen werden, damit die Schule sich ihre Wünsche im Sporthandel erfüllen kann.

Der Vorstand des Berufsverbandes Oberbayern Nord und Ingolstadt e.V. sowie 40 Mitglieder des BBK

Text als PDF >>


Ingolstädter Bildermarkt Ausschreibung

Ingolstädter Bildermarkt 2021
05.12. bis 19.12.2021

Auch dieses Jahr lädt der BBK alle Kunstschaffenden der Region wieder zum traditionellen Ingolstädter Bildermarkt ein. Jeder, ob Profi, Nebenerwerbskünstler oder Hobbykünstler kann maximal zwei Arbeiten einreichen. Die Werke werden nicht juriert. Zulässig sind alle Techniken. Aufhängevorrichtungen sind notwendig. Die Arbeiten müssen beschriftet sein, mit Kontaktdaten des Künstlers, Titel und Preis der Arbeit. Zusätzlich muss eine selbstklebende Bildbeschriftung in der Größe eines Adressaufklebers mit abgegeben werden, auf dem ebenfalls Künstler, Werk und Preis bezeichnet werden.

Einreichung ist am:

Montag, 29.11.2021 von 09.00 Uhr – 12.00 Uhr und von 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr

Eröffnung ist am Sonntag den 05.12.2021  mit einem Weißwurstfrühstück um 11.00 Uhr.

Abholung der Arbeiten: Sonntag, 19.12. ab 18.00 Uhr bis 19 Uhr
und Montag 20.12. von 09.00-12.00 Uhr

Anlieferung der Bilder und Ausstellung:

Harderbastei
Oberer Graben 55
85049 Ingolstadt
info@bbk-in.de
0841-9312 754

Kurze Parkmöglichkeit zum Be-und Entladen im Hof der Bastei.

Anfahrt zur Harderbastei (Achtung Baustelle!) >>>

Für Teilnehmer, die keine Mitglieder des BBK Obb. Nord und Ingolstadt e.V. sind fällt eine Bearbeitungsgebühr von 20 € an.
Bitte füllen Sie Einlieferungs- und Abholschein aus, und bringen Sie beide zur Einlieferung am 29.11.2021 mit [PDF] >>